Durch die Nacht zum Sonnenaufgang – Unsere Reise zum Sinai
- Timo Flauaus

- 20. März
- 2 Min. Lesezeit
Manche Erlebnisse beginnen dann, wenn die meisten längst schlafen. Genau so war es bei unserer Tour zum Mount Sinai. Eine Woche Ägypten, Sonne, Wärme, entspannte Tage – und dann dieses eine Abenteuer, das alles ein bisschen intensiver gemacht hat.
Mein Kumpel Tim und ich wurden um 22:30 Uhr direkt am Hotel abgeholt. Während die meisten Gäste gerade erst zurück auf ihren Zimmern waren, saßen wir schon halb verschlafen im Bus, die Kameras im Rucksack, irgendwo zwischen Vorfreude und Müdigkeit.
Die Fahrt ins Dunkel
Die Straßen wurden leerer, die Lichter weniger, und irgendwann blieb nur noch Dunkelheit übrig. Die Fahrt durch die Wüste hatte etwas Eigenes – ruhig, fast surreal. Kein Empfang, keine Ablenkung. Nur wir, ein paar andere Reisende und das Gefühl, auf dem Weg zu etwas Besonderem zu sein.
Gegen tief in der Nacht erreichten wir den Fuß des Berges. Die Luft war plötzlich ganz anders – kühler, frischer, ungewohnt nach den warmen Tagen zuvor. Stirnlampen gingen an, Schritte knirschten auf dem steinigen Weg, und langsam setzte sich die Karawane aus Menschen in Bewegung.
Der Aufstieg
Der Weg nach oben war kein Sprint, sondern ein gleichmäßiger, ruhiger Marsch. Dunkelheit, unterbrochen nur vom schwachen Licht der Lampen und dem Sternenhimmel über uns. Immer wieder kurze Pausen, ein Schluck Wasser, ein Blick nach oben.
Mit jeder Stunde wurde es kälter. Die Wärme des Tages war längst verschwunden, und irgendwann waren wir froh um jede Schicht Kleidung, die wir dabeihatten.
Kurz vor dem Gipfel, noch vor den ersten Anzeichen des Morgens, bekamen wir Decken. Eingehüllt darin saßen wir oben, warteten, schauten in die Dunkelheit und spürten die Kälte, die durch alles hindurchging. Genau diese Momente sind es, die man später nicht vergisst.
Warten auf das Licht
Es war stiller, als ich es erwartet hatte. Trotz der vielen Menschen hatte dieser Ort etwas Ruhiges. Alle warteten auf dasselbe: den ersten Lichtstreifen am Horizont.
Und dann passierte es ganz langsam.
Erst ein leichtes Blau, dann ein Hauch von Orange. Die Konturen der Berge wurden sichtbar, Schatten bekamen Tiefe, und innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die komplette Landschaft.
Für mich als Fotograf war das einer dieser seltenen Momente, in denen man fast vergisst, auf den Auslöser zu drücken. Das Licht war weich, die Farben intensiv, und jede Aufnahme fühlte sich besonders an – aber gleichzeitig wollte ich einfach nur dort sitzen und schauen.
Mehr als nur ein Foto
Natürlich sind dabei Bilder entstanden, die ich gerne zeige. Aber wie so oft erzählen sie nur einen Teil der Geschichte. Die Müdigkeit, die Kälte, das gemeinsame Durchhalten, das frühe Aufstehen mitten in der Nacht – all das gehört genauso dazu.
Der Sonnenaufgang auf dem Sinai war kein klassischer „schöner Spot“, den man einfach besucht. Es war ein Erlebnis, für das man etwas investieren musste – Zeit, Energie und ein bisschen Komfort.
Und genau das hat es so besonders gemacht.
Als wir später wieder unten ankamen, müde, durchgefroren und gleichzeitig irgendwie voller Energie, wussten wir beide: Das war eines dieser Erlebnisse, über die man noch lange spricht.
Und genau dafür nehme ich die Kamera überhaupt mit.


































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